Säule 3b

Säule 3b—mit freier Vorsorge zum sicheren Ruhestand

Wer an den Ruhestand denkt, blickt längst nicht mehr nur entspannt auf den Lebensabschnitt nach der beruflichen Phase. Viel zu häufig berichten Medien von Rentnern, die unter der Armutsgrenze leben. Immer öfter hört man von Senioren, die noch im hohen Alter etwas zur Rente dazu verdienen müssen. Da sind gleich mehrere Minijobs keine Seltenheit. Und das gerade in der Phase, in der man endlich davon zehren wollte, wofür man sein Leben lang gearbeitet hatte.

Die Schweiz hat diese Entwicklung längst prognostiziert. Um gegenzusteuern, wurde das 3-Säulen-Vorsorgesystem entwickelt. Damit im Ruhestand der benötigte finanzielle Rückhalt von mindestens 70 % des letzten Einkommens vorhanden ist, gilt es drei Teilbereiche zu bedienen:


  • Säule 1: Staatliche Vorsorge
  • Säule 2: Berufliche Vorsorge
  • Säule 3: Private Vorsorge

Laut Schätzungen ergeben die Leistungen aus Säule 1 und 2 zusammen aktuell nur rund 60 % des letzten Lohns. Zudem belasten die demografische Entwicklung und die aktuelle Zinslandschaft die ersten beiden Säulen, sodass das private Engagement jedes Versicherten immer wichtiger wird. Die entstehende Versorgungslücke gilt es mithilfe der Säule 3 zu schliessen.

Die private Vorsorge unterteilt sich in:

  • Säule 3a: Gebundene Vorsorge
  • Säule 3b: Freie Vorsorge

Alles rund um die gebundene Vorsorge haben Sie bereits in Teil 1 unserer Serie „Säule 3a einfach erklärt – Steuerersparnis, Maximalbeträge etc.“ erfahren. Wer die gebundene Vorsorge bereits ausgeschöpft hat, kann verbliebene Vorsorgelücken mit Einzahlungen in die Säule 3b kompensieren. Diese stellen wir Ihnen hier vor.

Was macht die Säule 3b aus?

Im Gegenteil zur Säule 3a kann bei der freien Vorsorge über Produkte, Laufzeiten und Wechsel beliebig entschieden werden. Wenn ein Vorsorgeprodukt aufgelöst oder gewechselt werden soll, sind lediglich die vertraglichen Bedingungen des Angebotes einzuhalten.
Der Gesetzgeber lässt Kündigung und Wechsel eines Produktes jederzeit zu. Wichtig ist dabei, sich vorab über die Folgen eines solchen Eingriffs in die Vertragslaufzeit zu informieren. Meist sind Verluste damit verbunden.
Während in der gebundenen Vorsorge die zulässigen Produkte reglementiert sind, steht für Vorsorgende in der Säule 3b ein breites Portfolio an Angeboten bereit:

  • Lebensversicherungen
  • Obligationen
  • Obligationenfonds, Immobilienfonds
  • Aktien, Aktienfonds
  • Fondssparpläne, Bank- und Sparkonten
  • Sparversicherungen
  • gemischte und fondsgebundene Versicherungen
  • Risikoversicherungen

Wer ist in der freien Vorsorge einzahlungsberechtigt?

In die Säule 3b können alle in der Schweiz lebenden Personen einzahlen. Dazu gehören Selbstständige, Angestellte sowie Nichterwerbstätige.

Für wen eignet sich die Investition in die Säule 3b?

Jeder, der sein Vorsorgekonzept so aufstellen möchte, dass er seinen gewohnten Lebensstandard halten kann, ist mit Investitionen in die gebundene und freie Vorsorge gut beraten. Vor allem für Teilzeitbeschäftigte und Geringverdiener ist eine zusätzliche Vorsorge empfehlenswert. Immerhin waren laut dem Bundesamt für Statistik in 2017 rund 36 % der berufstätigen Schweizer teilzeitbeschäftigt.

Den Löwenanteil daran haben die weiblichen Erwerbstätigen. Aber auch Männer nutzen immer häufiger die Möglichkeit, mehr Zeit mit der Familie oder ihren Hobbys zu verbringen. Eine gute Absicht, doch hinsichtlich der Rentenansprüche droht den Teilzeitbeschäftigten eine Versorgungslücke. Schuld ist der Koordinationsabzug, ein Pauschalbetrag, der vom Bruttolohn abgezogen wird. Der Abzug beträgt derzeit 7/8 der maximalen AHV-Rente: 24‘885 CHF (Stand 2019). Der verbleibende Restbetrag entspricht dem koordinierten Lohn, der bei der Pensionskasse versichert ist.

Teilzeitbeschäftigte kommen so auf ein versichertes Einkommen, das kaum einen nennenswerten Zuwachs an Rentenansprüchen ermöglicht. Verdient eine 30-jährige Teilzeitbeschäftigte beispielsweise 30‘000 CHF pro Jahr ergibt sich nach Koordinationsabzug ein Lohn von 5‘325 CHF als Basis für die Pensionskasse. Das ergibt eine magere Altersgutschrift von ca. 350 CHF pro Jahr. Werden zwei Jobs ausgeübt, erfolgt der Abzug sogar doppelt.

Zwar ist die zusätzliche Investition in die private Vorsorge gerade für Geringverdiener eine Belastung. Sie ist jedoch unverzichtbar, wenn man Vorsorgelücken vermeiden möchte.

Wer kann in Säule 3b begünstigt werden?

Auch die Begünstigten sind bei der freien Vorsorge frei wählbar. Dies ist ein grosser Vorteil gegenüber der gebundenen Vorsorge und wird gerne genutzt. Voraussetzung ist, dass die gesetzlichen Bedingungen zu Pflichtanteilen etc. eingehalten werden. Ein Vorteil ist zusätzlich das Konkursprivileg. Das bedeutet, dass ein Versicherungsanspruch vor Fälligkeit weder gepfändet noch in eine Konkursmasse einbezogen werden kann, wenn Ehepartner oder Kinder begünstigt sind.

Kann man ein Produkt in der freien Vorsorge verpfänden?

Ja, dies ist unter bestimmten Bedingungen möglich. Voraussetzungen sind, dass die Verpfändung als liquides Mittel akzeptiert wird und die Regularien des Vorsorgeproduktes eine Verpfändung zulassen.

Sind Einzahlungen und Leistungen steuerlich gefördert?

In der gebundenen Vorsorge können Einzahlungen bis zum Erreichen des gesetzlichen Höchstbetrages direkt vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Dieses Privileg geniessen Investitionen in die freie Vorsorge nicht. Die steuerliche Einordnung von Einzahlungen, Leistungen und Kapitalzuwachs innerhalb der Säule 3b ist etwas komplexer. Zu berücksichtigen sind hier die Gesetze zur Vermögenssteuer, Verrechnungssteuer und teilweise zur Einkommenssteuer.

Jedoch bietet auch die Investition in die freie Vorsorge steuerliche und rechtliche Vorteile. Der Leistungsbezug wird beispielsweise nur zu einem reduzierten Steuersatz besteuert. Auch Versicherungsprodukte bieten einige Steuervorteile. Was Sie absetzen können, ist abhängig vom gewählten Produkt, der persönlichen Steuersituation und weiteren individuellen Eckpunkten.

Inwiefern eine Geltendmachung in Ihrer Steuererklärung konkret möglich ist, können Sie nur mit einem Steuerberater herausfinden. Bereits im Vorfeld einer Entscheidung für ein oder mehrere Anlageprodukte sollten Sie sich zudem ausführlich bei einem Berater Ihrer Hausbank, einer Versicherung oder einer Beratungsstelle zur Altersvorsorge informieren.

Welche Produkte bieten sich in der freien Vorsorge an?

1. Kapitallebensversicherungen, Renten- und Risikoversicherungen

Eines der beliebtesten Produkte in der freien Vorsorge ist die Lebensversicherung. Wobei man gar nicht von „der Lebensversicherung“ sprechen kann, sondern von einer Vielfalt an Versicherungen. Dazu gehören vermögensbildende Kapitalversicherungen, Sparversicherungen, Rentenversicherungen oder Risikoversicherungen. Zahlungen in das jeweilige Produkt können jährlich oder mehrfach im Jahr geleistet werden. Die entsprechende Staffelung sollte man sich vorab genau anschauen, da jährliche Einmalzahlungen von den Versicherungsgesellschaften in der Regel begünstigt werden.

Gemischte Versicherung

Oft gewählt wird in der privaten Vorsorge der Schweiz die Gemischte Versicherung. Darunter versteht man eine vermögensbildende Lebensversicherung, die kombiniert ist mit einer Risikoversicherung. Durch Spar- und Risikoanteile baut ein Kunde Alterskapital auf und sichert sich und seine Familie zugleich gegen Tod, Krankheit oder Unfall ab. Die Verzinsung einer Gemischten Versicherung ist jedoch vergleichsweise gering.

Fondsgebundene Lebensversicherung

Wer seine Renditechancen deutlich verbessern will, ohne allzu viel Risiko einzugehen, wählt eine fondsgebundene Lebensversicherung. Hier werden die Sparleistungen in festgelegte Wertpapierfonds investiert. Bei Nichterreichen des erwarteten
Kapitalzuwachses garantiert die Versicherung meist ein Mindestalterskapital.

Sparversicherung

Ohne jede Risikoabsicherung kommt die Sparversicherung daher. Ihr Ziel ist der Kapitalaufbau ohne Schnörkel. Nach Ablauf der Versicherung oder im Todesfall wird das Kapital zuzüglich möglicher Überschussanteile ausgezahlt. Der Kapitalaufbau funktioniert dabei wahlweise analog der Gemischten Versicherung oder mithilfe von Wertpapierfonds. Um zusätzlich eine mögliche Erwerbsunfähigkeit abzusichern, kann für diesen Fall eine Prämienbefreiung vereinbart werden.

Rentenversicherung

So konzeptionell einfach wie effektiv, ist eine Rentenversicherung. Sie garantiert eine dauerhafte Rentenzahlung bis zum Tod. Ihr Beginn wird dabei individuell vereinbart. Die Leistungen sind garantiert, auch wenn der Versicherungsnehmer ein überdurchschnittliches Alter erreichen sollte. Die Versicherung kann zusätzlich mit einem Hinterbliebenenschutz kombiniert werden.

2. Bankprodukte

Sparkonto

Zwar ist ein Sparkonto an Einfachheit und Übersicht kaum zu überbieten, jedoch passt es nicht zum Ziel der Geldanlage. Um ein Alterskapital aufzubauen, sollte auf die Rendite evtl. verbunden mit Risikoschutz geachtet werden. Die Flexibilität eines Sparkontos kompensiert bei einem langfristigen Anlageziel wie der Vorsorge dessen magere Verzinsung nicht.

Fondssparplan

Wer seinen Kapitalaufbau etwas interessanter gestalten möchte und dennoch die Risikominimierung im Fokus hat, greift zu Fondssparplänen. Anlagefonds, die aus einer ausgewogenen Mischung von Aktien, Anleihen und Liquiditätsanteil bestehen, können für Ihr Alterskapital interessant sein.

Obligationen

Auch sie sind als Anlageform beliebt und können gut selbst verwaltet werden. Obligationen erwirtschaften jährlich einen Zinsertrag, den der Anleger am Ende der Laufzeit samt seiner Investition zurückerhält. Jedoch sind sie aufgrund des sinkenden Zinsniveaus der letzten Jahre nicht mehr attraktiv und können dem Vorsorgenden aktuell Verluste einbringen.

Aktien

Sie bergen ein unbestrittenes Risiko in sich, aber auch grosses Renditepotenzial. Zugegeben, Aktien sind keine Lösung für kurzfristige und sicherheitsorientierte Anleger. Jedoch sinkt mit zunehmender Anlagedauer die Gefahr von Verlusten deutlich, wie einige Studien belegen. Je länger die Aktien in einem ausgewogenen Depot, desto grösser also die Chancen auf eine erfreuliche Rendite.

3. Alternative Anlagemöglichkeiten

Ihnen ist das alles zu wenig spannend oder zu renditeschwach? Daneben stehen Ihnen auch alternative Wege offen, um Alterskapital aufzubauen. Ob Immobilien, Kunst oder eine Sammlung gefragter Sneakers — die Entscheidung liegt bei Ihnen.

Lassen Sie die Kosten nicht ausser Acht

Papier ist geduldig, Onlineangebote auch. Was auf den ersten Blick leicht und gewinnmaximierend anmutet, kann sich später als verlustbringende Geldanlage entpuppen. Kapitalabbau statt Kapitalzuwachs ist die Folge unüberlegter Entscheidungen. Anleger sollten daher vor der Wahl für ein Altersvorsorgeprodukt einen Blick in die Kostenübersicht werfen.

Bei Fonds gibt es dazu das Factsheet, eine vorgeschriebene Dokumentation der wichtigsten Eckpunkte. Darin sind auch die Management- und Verwaltungskosten ausgewiesen, die über das Geschäftsjahr hinweg anfallen (Total Expense Ratio). So lassen sich Fonds besser vergleichen.

Auch Versicherungen können erhebliche Kosten verursachen. Abschlusskosten, Verwaltungskosten und Rückkaufswerte bei vorzeitiger Kündigung sollten Sie vorher prüfen. Auch die Bedingungen unter denen eine versprochene Überschussbeteiligung geleistet wird, gilt es zu kennen. Planen Sie diese mit ein und müssen später darauf verzichten, gerät ihre Kapitallebensversicherung womöglich zum Verlustgeschäft.

Stimmen Sie vorab auch die steuerliche Seite ab. Dazu empfehlen wir die Beratung durch einen unabhängigen Steuerberater, der Ihre individuelle steuerliche Situation und das angestrebte Produkt am besten einordnen kann. Diese Beratung kostet zwar Geld, kann Ihnen jedoch helfen, langfristig hohe Kosten und Fehlentscheidungen zu vermeiden.


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