Fristlose Kündigung durch Arbeitgeber oder Arbeitnehmer

Fristlose Kündigungen sind in der Schweiz für Arbeitgeber, wie auch für Arbeitnehmer möglich. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten, denn sollte die Kündigung nicht gerechtfertigt gewesen sein, so können die Folgen schwerwiegend sein.

Fristlose Kündigung durch Arbeitgeber

Mit welchen Gründen darf ein Arbeitgeber fristlos kündigen?

Eine fristlose Kündigung bedarf laut Art. 337 OR einem wichtigen Grund und ist andernfalls unzulässig. Ein wichtiger Grund ist gegeben, wenn das Arbeitsverhältnis nach Treu und Glauben nicht mehr für den Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zumutbar ist. Wichtige Gründe für den Arbeitgeber können sein:

Wichtige GründeBeispiele / Info
Schwerwiegende Verfehlungen des Arbeitnehmers

  • Straftaten am Arbeitsplatz

  • Wiederholte/Generelle Arbeitsverweigerung

  • Konkurrenzierende Tätigkeit

  • Verrat von Geschäftsgeheimnissen

  • Annahme von Schmiergeldern

  • Tätlichkeiten und Beleidugungen von Vorgesetzten oder Arbeitskollegen

Weniger schwerwiegenden Verfehlungen des Arbeitnehmers

  • Verspätetes erscheinen am Arbeitsplatz

  • Wegbleiben vom Arbeitsplatz ohne guten Grund

  • Unverhältnismässige(s) Telefonieren/Internetnutzung am Arbeitsplatz

  • Verstoss gegen Weisungen des Arbeitgebers

  • ...


weniger schwerwiegende Verfehlungen können erst nach vorangeangener Abmahnung zur fristlosen Kündigung führen
Schlechte ArbeitsausführungSchlechte Arbeitsausführung kann nur in ganz seltenen Fällen zu einer fristlosen Kündigung führen.

Sollte der Vorwurf des Arbeitgebers jedoch nicht auf Tatsachen beruhen, oder ist kein wichtiger Grund gegeben, so ist die fristlose Kündigung nicht gerechtfertigt gewesen. In diesem Fall ist der Arbeitnehmer zu entschädigen.

Entschädigung eines Arbeitnehmers nach einer fristlosen Kündigung

Sollte die Kündigung gerechtfertigt gewesen sein, so hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf eine Entschädigung.

Eine ungerechtfertigte fristlosen Kündigung wird durch Art. 337c OR geregelt:

  • Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf den im Zeitraum seiner Kündigungsfrist entgangenen Verdienst. Hier wird jedoch auch in Betracht gezogen, was der Arbeitnehmer durch den Wegfall der Arbeit spart und was er durch anderweitige Arbeit verdient oder zu verdienen absichtlich unterlassen hat.
  • Der Arbeitnehmer hat Ferienersatzansprüche, sollte er bis zur ordentlichen Beendigung des Arbeitsverhältnis neben der Stellensuche nicht genügend Zeit für Ferienbezug gehabt haben.
  • Der Arbeitgeber kann vom Richter zu einer Entschädigung verpflichtet werden, die sich nach freiem Ermessen unter Berücksichtigung aller Umstände festlegt. Diese Entschädigung darf jedoch nicht grösser als der sechsfache Lohn des Arbeitnehmers sein.

Wann muss die fristlose Kündigung ausgesprochen werden?

Der Arbeitgeber muss nach einem Vorfall sofort reagieren. Andernfalls verliert dieser sein Recht auf eine fristlose Kündigung.

Typischerweise hat der Arbeitgeber innerhalb von zwei bis drei Arbeitstagen zu entscheiden, ob er eine fristlose Kündigung ausspricht. Der Zeitraum variiert in der Regel nach Grösse des Unternehmens. Grössere Unternehmen haben typischerweise eine längere Frist, weil davon ausgegangen werden kann, dass nicht alle zuständigen Organe ständig präsent sind.

Einspruch als Arbeitnehmer gegen die fristlose Kündigung

Es ist zu empfehlen, einen Einspruch gegen eine nicht gerechtfertigte fristlose Kündigung einzureichen. Darin sollte klargestellt werden, dass diese keine Grundlage besitzt und eine Begründung erbeten wird. Ausserdem sollte (falls gewünscht) die Wiederaufnahme der Arbeit angeboten werden. Auch das Vorbehalten rechtlicher Massnahmen sollte erwähnt werden. Schliesslich kann es möglich sein, dass der Arbeitgeber einknickt und bereit ist eine Lösung zu finden. Andernfalls ist es ratsam einen Anwalt aufzusuchen.

Fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer

Auch Arbeitnehmer können bei wichtigen Gründen eine fristlose Kündigung einreichen und die Arbeit niederlegen:

Gründe für eine fristlose Kündigung des Arbeitnehmers

Die Voraussetzungen für eine fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers sind grundsätzlich die selben wie die eines Arbeitgebers (siehe oben). Typische Fälle sind:

  • Personlichkeitsverletzungen:
    • Funktionale Degradierung
    • Entzug der Prokura (Handlungsvollmacht)
    • Entzug der Funktion und Betätigungsgrundlage (gilt jedoch nicht bei einer ordentlichen Kündigung mit Freistellung)
    • Funktionale Degradierung
    • weitere Statusänderung, die nicht auf Fehlverhalten des Arbeitnehmers zurückzuführen sind
  • Lohnausstände

Wichtig bei Lohnausständen: Bei der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers hat der Arbeitnehmer zwar nach Ablauf einer zumutbaren Frist das Recht fristlos zu kündigen. Allerdings kann es sinnvoller sein den Arbeitgeber zu mahnen und anschliessend die Arbeit niederzulegen. In der Mahnung sollte formuliert werden, dass die Lohnausstände entweder beglichen werden oder Sicherheiten (z.B. Bankgarantie, Bankbürgschaft, Banksperrkonto oder Hinterlegung von Wertschriften) vorgelegt werden. Hierzu muss dem Arbeitgeber eine Frist (üblicherweise sieben Tage) eingeräumt werden.

Folgen bei ungerechtfertigter Kündigung eines Arbeitnehmers

Sollte die fristlose Kündigung nicht gerechtfertigt gewesen sein, also ohne wichtigem Grund erfolgt sein, so hat der Arbeitgeber Anspruch auf eine Entschädigung. Diese entspricht einem Viertel eines Monatslohns. Zusätzlich kann der Arbeitgeber den Schaden, welcher durch den Wegfall der Arbeitskraft entstanden ist geltend machen.


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