arbeitszeugnis

7 Mythen zum Arbeitszeugnis in der Schweiz

„Er hat sich stets bemüht“. Mit diesem Satz im Arbeitszeugnis, sollten Sie nicht um einen Job bewerben. Übersetzt heisst dieser, dass Sie ganz und gar nicht gut gearbeitet haben! Heutzutage sind ominöse Codes im Arbeitszeugnis zwar nicht mehr erlaubt. Trotzdem nutzen Arbeitgeber diese noch – aus Gewohnheit oder weil Sie es nicht besser wissen. Damit Sie nicht dumm dastehen bei der nächsten Jobsuche, haben wir geläufige Mythen zum Thema Arbeitszeugnis für Sie zusammengetragen.

Mythos Nr. 1: Ich muss um ein Arbeitszeugnis bitten und betteln

Falsch! In der Schweiz haben Sie das Recht auf ein Arbeitszeugnis. Sie haben übrigens auch Anrecht auf ein Zwischenzeugnis. So ist es im Obligationsrecht unter Artikel 330a festgehalten. Es gilt neben dem Anschreiben und Lebenslauf als zentrales Dokument bei einer Bewerbung. Hier kann Ihr potentieller neuer Chef nachlesen, welche Tätigkeiten Sie bisher ausgeübt haben und was für ein Mitarbeiter Sie sind. Ein solches Zeugnis muss einige formale und inhaltliche Kriterien erfüllen. Der Arbeitgeber muss Sie einerseits wohlwollend beschreiben, darf auf der anderen Seite jedoch keine Verfehlungen Ihrerseits verschweigen. Bis vor einigen Jahren war es noch gang und gäbe bestimmte Formulierungen einzusetzen, um die Leistung und das Verhalten von Mitarbeitern codiert zu beschreiben. Das ist heutzutage nicht mehr zulässig, denn jeder weiss um die negativen Bedeutungen dieser Codes. Doch was genau muss im Arbeitszeugnis stehen?

Mythos Nr. 2: Ins Arbeitszeugnis darf der Chef schreiben, was er möchte

Falsch! Zunächst einmal muss ein Arbeitszeugnis sprachlich fehlerfrei auf gutem Papier in Maschinenschrift verfasst sein. Der ordentliche Gesamteindruck ist wichtig und handschriftliche Korrekturen sind beispielsweise nicht zulässig.
Ein Arbeitszeugnis enthält die Angaben zu Ihrer Person, zu Ihren Tätigkeiten und den Beschäftigungszeitraum. Die abschliessende Bewertung zu Leistung und Verhalten muss einerseits wohlwollend formuliert sein. Andererseits sind wahrheitsgetreue und objektive Angaben wichtig.
Was viele nicht wissen: Arbeitgeber sind verpflichtet grobe Verfehlungen am Arbeitsplatz im Arbeitszeugnis zu erwähnen. Kriminelle Machenschaften, Alkoholkonsum oder regelmässige Missachtungen von Weisungen müssen genannt werden.
Führt der Arbeitgeber diese nicht transparent auf, kann der neue Arbeitgeber nach Artikel 14 OR auf Schadensersatz klagen.
Krankheiten dürfen andererseits nur erwähnt werden, wenn diese die Leistung oder das Verhalten vom Arbeitnehmer massgeblich beeinflussen.
Achtung! Auch nicht Erwähntes wiegt! Schreibt Ihr Vorgesetzter zum Beispiel nichts über das Verhältnis, welches Sie zu Kollegen hatten, wird das eher negativ ausgelegt.

Mythos Nr. 3: Angaben zum Privatleben gehören nicht ins Arbeitszeugnis

Richtig! Dinge wie einmalige negative Ereignisse darf der Personalchef nicht ins Arbeitszeugnis schreiben. Zudem müssen alle enthaltenen Angaben einen Bezug zum Arbeitsplatz haben. Ob Sie am Wochenende durch die Diskotheken tanzen, geht niemanden etwas an. Selbstverständlich darf Sie Ihr Arbeitgeber auch nicht offensichtlich blossstellen oder kritisieren. Eine Angabe zum Austrittsgrund aus dem Arbeitsverhältnis ist nur erlaubt, wenn dies kein schlechtes Licht auf Sie wirft. Zweideutige Formulierungen, die zwar neutral wirken aber einen negativen Eindruck vermitteln, sind auch nicht gestattet. Hier kommen die berüchtigten Codierungen ins Spiel. Sie finden weiter unten eine Tabelle mit den wichtigsten Formulierungen und deren Übersetzung. Wenn Sie einen derartigen Code in Ihrem Arbeitszeugnis entdecken, sollten Sie ganz unverblümt mit Ihrem Vorgesetzten sprechen.

Mythos Nr. 4: Ich muss ein schlechtes Arbeitszeugnis hinnehmen

Falsch, Sie können (nein Sie sollten unbedingt!) ein schlechtes Arbeitszeugnis anfechten! Denn dieses entscheidet massgeblich über Ihre berufliche Zukunft mit. Wenn Sie sich nach Erhalt des Dokuments nicht äussern, ist dies eine stillschweigende Einverständnis. Eigeninitiative ist hier demnach mehr als gefragt. Ein gutes Vorgehen ist die freundliche Bitte um eine Kopie des Arbeitszeugnisses. Die nicht passenden Stellen können Sie direkt markieren. Idealerweise schlagen Sie bessere Formulierungen vor oder ergänzen fehlende Passagen. Sobald Sie dies erledigt haben, können Sie mit Ihrer verbesserten Version beim Personalchef erscheinen. Von da an heisst es: verhandeln, verhandeln, verhandeln. Ist Ihr Arbeitgeber dazu nicht bereit, können Sie in letzter Instanz eine Änderung einklagen. Ein Arbeitszeugnis anfechten ist geläufige Praxis, weil Formulierungen oft ungerecht und negativ ausfallen.

Mythos Nr. 5: Ich habe damals kein Arbeitszeugnis erhalten. Jetzt ist es zu spät.

Falsch. Falls Sie das Arbeitszeugnis nicht zum Ende des Arbeitsverhältnisses erhalten haben, können Sie dies nachholen. Ihr Anspruch verfällt nicht und Sie können laut Artikel 127 OR bis zu 10 Jahre nach Ende der Tätigkeit ein solches einfordern. Um Korrekturen können Sie ebenfalls im Nachhinein bitten. Oft wird man mit den Jahren schlauer und erschaudert über schlechte Formulierungen im ersten Arbeitszeugnis. Schrecken Sie hier nicht vor dem Aufwand zurück. Es lohnt sich!

Mythos Nr. 6: Ein Arbeitszeugnis erhalte ich nur zum Ende des Arbeitsverhältnisses

Auch diese Annahme ist nicht richtig. Grundsätzlich wird zwischen drei Arten von Zeugnissen unterschieden. Neben dem klassischen Schlusszeugnis können Sie ein Zwischenzeugnis oder eine Arbeitsbestätigung verlangen. Das Schlusszeugnis, auch als Vollzeugnis bekannt, wird zum Ende des Arbeitsverhältnisses ausgestellt. In diesem Zeugnis stehen, wie oben bereits beschrieben, Angaben zur Art sowie zur Dauer vom Arbeitsverhältnis.
Ein Zwischenzeugnis bietet im Prinzip dieselben Informationen, wird aber während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses erstellt. Dies können Sie beispielsweise verlangen, wenn Sie sich während Ihres Angestelltenverhältnisses um einen neuen Job bewerben möchten.
Die Arbeitsbestätigung ist sozusagen das Arbeitszeugnis „light“. In diesem steht lediglich etwas über die Art und die Dauer vom Arbeitsverhältnis. Angaben zu Leistung und Verhalten fehlen komplett.

Tipp: Um ein Zwischenzeugnis oder eine Arbeitsbestätigung können Sie jederzeit und ohne Angabe von Gründen bitten. Gerade bei Bewerbungen aus einer Beschäftigung heraus ist die Anforderung von Zwischenzeugnis oder einer Arbeitsbestätigung interessant.

Mythos Nr. 7: Codes im Arbeitszeugnis sind ganz normal

Absolut nicht korrekt. Codierungen im Arbeitszeugnis sind nicht mehr erlaubt. Leider werden diese immer noch benutzt. Oft wissen weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer von deren Unzulässigkeit. Umso wichtiger, dass Sie sich gut über diese Geheimsprache im Zeugnis informieren. So entgeht Ihnen nichts und Sie können noch einmal eine Korrektur verlangen. Wir haben für Sie die wichtigsten Formulierungen in einer Tabelle zusammengefasst. Grundsätzlich stehen Aussagen wie „stets zur vollsten Zufriedenheit“ (= „sehr gut“) Formulierungen wie „er bemühte sich stets“ („ungenügend“) gegenüber.

Negative Codes im Arbeitszeugnis

Formulierung im ArbeitszeugnisUngefähre Bedeutung des Codes
Bemühte sich, seinen Aufgaben gerecht zu werden.Der Wille war zwar vorhanden aber wirklich gut haben Sie nicht gearbeitet.
Er verstand es, die Arbeiten erfolgreich zu delegieren.Die Arbeit wurde erfolgreich an andere Kollegen abgegeben und nicht selbst erledigt.
Alle Arbeiten erledigte er mit grossem Fleiss und Interesse.Eifrig und Fleissig, doch die Ergebnisse stimmen am Ende nicht.
Er war bei Kunden schnell beliebt.Die Verhandlungen waren gut für den Kunden, aber nicht für das Unternehmen.
Mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.Der Mitarbeiter galt als Mitläufer.
Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit.Hier wird auf häufige Krankheiten hingewiesen.
Wir bedanken uns für seine Mitarbeit.Das Unternehmen ist ganz und gar nicht traurig über das Ausscheiden des Arbeitnehmers.
Trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.Hier wurde gerne Alkohol während der Arbeit getrunken.
... war unter Kollegen beliebt.Sie haben mehr gequatscht, als gearbeitet
...das Verhältnis zu den Mitarbeitern war stets tadelfreiWenn hier nichts zu den Vorgesetzten steht, bedeutet dies, dass Sie sich zwar mit den Kollegen, aber nicht mit dem Chef verstanden haben.

Positive Codes im Arbeitszeugnis

Formulierung im ArbeitszeugnisUngefähre Bedeutung des Codes
Erzielte herausragende Arbeitsergebnisse.Die Arbeit wurde sehr gut erledigt.
Zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität.Dieser Code ist mit einem „gut“ zu übersetzen.
Das Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war stets vorbildlich.Sie haben sich sowohl mit Kollegen als auch dem Chef hervorragend verstanden. Gleicht einer „sehr gut“
Wir bedauern das Ausscheiden sehr und bedanken uns für stets sehr gute Leistungen.Das Unternehmen ist traurig, Sie gehen zu sehen.
Seine Leistungen fanden stets unsere vollste ZufriedenheitSie haben alles hervorragend erledigt!
Sie verfügt über ein exzellentes analytisch-konzeptionelles und zeitgleich pragmatisches Urteils- und DenkvermögenAuch hier haben Sie gute Arbeit geleistet.

Abschliessender Tipp: Der Gesamteindruck zählt – auch beim Arbeitszeugnis! Wenn Sie mit dem Verfassten zufrieden sind, wird es auch Ihr künftiger Arbeitgeber sein. Wegen einem fehlenden „sehr“ zu feilschen lohnt oft nicht die Mühe. Konzentrieren Sie sich lieber auf die eigentliche Jobsuche. Im Zweifelsfall lassen Sie am besten einen Fachmann über das Geschriebene gucken.


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